Marktintegration / Regionale Märkte.
Zu Beginn der Liberalisierung wurde in vielen Ländern der Schwerpunkt auf den Aufbau funktionsfähiger nationaler Märkte gelegt. Diese wettbewerblich geprägten Märkte standen allen Marktteilnehmern offen und ermöglichten gebietsübergreifenden Handel. Damit wurde nicht nur die Liquidität der Märkte gestärkt, sondern auch zu einer effizienten Nutzung von Netz- und Erzeugungskapazitäten beigetragen. Die bestehenden Netzverbindungen zwischen verschiedenen Ländern bzw. Marktgebieten wurden in der Vergangenheit jedoch häufig primär zur Erhöhung der Versorgungssicherheit oder, insbesondere in den europäischen Gasmärkten, zur Umsetzung langfristiger Lieferverträge errichtet. Der zunehmende internationale Handel führt aufgrund unzureichender Kapazitäten damit fast zwangsläufig zu Kapazitätsengpässen an den Grenzen der traditionellen Versorgungsgebiete.
Im Zuge der Entwicklung der vergangenen Jahre kristallisierte sich zudem heraus, dass viele der nationalen Märkte alleine zu klein sind, um einen wirksamen Wettbewerb zu ermöglichen. Die grenzüberschreitende Integration von Marktgebieten zu einem gemeinsamen regionalen Markt kann dieses Problem beheben, da eine größere Anzahl an Marktteilnehmern und die gestiegene Liquidität der Märkte die Marktmacht einzelner Akteure begrenzen. Das erfolgreiche Beispiel des nordischen Strommarks (Nord Pool) führt dies seit fast zehn Jahren eindrücklich vor Augen. Regionale Integration ermöglicht zudem eine grenzüberschreitende integrierte Abstimmung von Produktion, Handel und Netzbetrieb und damit die Optimierung des Systembetriebs für die gesamte Region.
Wie in den USA, in Europa und weltweit in vielen Ländern zu beobachten ist, hat sich der Fokus von Reformen seit Beginn der Liberalisierung daher hin zur Integration benachbarter Märkte und der Schaffung regionaler Märkte verschoben. Den regionalen Initiativen im Rahmen der europäischen Strom- und Gasmärkte stehen hierbei die Einführung des auf einem regionalen Großhandelsmarkt basierenden „Standard Market Design“ mit der Errichtung von unabhängigen Netz- und Marktbetreibern (ISO/RTO) in den USA gegenüber.
Die verschiedenen Ansätze zur Entwicklung regional integrierter Märkte unterscheiden sich sowohl hinsichtlich der Integrationstiefe, der zugrunde liegenden Konzepte als auch der verwendeten Instrumente. Die Implementierung regionaler Märkte erfordert zudem die Berücksichtigung verschiedener Markmodelle, rechtlicher und regulatorischer Fragestellungen sowie organisatorischer, technischer und Verfahrensaspekte.
Ausschlaggebend für die erfolgreiche Schaffung regionaler Märkte ist damit die Lösung einer Vielzahl konzeptioneller und praktischer Problemstellungen, darunter:
- Auswahl eines geeigneten Integrationsmodells (z. B. Market Coupling oder Market Splitting)
- Geeignete Abbildung begrenzter Netzkapazitäten, z. B. durch Übergang zu lastflussbasierten Methoden (PTDF)
- Koordinierte Kapazitätsallokationsmechanismen (regionales Auction Office)
- Aufbau regionaler Regel- und Ausgleichsenergiemärkte
- Spezielle Regelungen für die Schnittstellen zwischen verschiedenen regionalen Märkten
- Marktmodellierung und ökonomische Analyse.
KEMA war bei der konzeptuellen Entwicklung und beim Aufbau verschiedener regionaler Märkte aktiv beteiligt und dabei beratend für Markt- und Netzbetreiber wie auch für Regierungen, Regulierungsbehörden und internationale Institutionen wie die Europäische Kommission tätig. Wir tragen mit unserer Beratung dazu bei, dass die beteiligten Akteure ein Verständnis für die verschiedenen Konzepte entwickeln. Außerdem identifizieren und bewerten wir die sich aus der Entwicklung regionaler Märkte ergebenden Chancen, Risiken und Anforderungen für alle Beteiligten.