Ein neues Rechenmodell trägt dazu bei, Pattsituationen bei Erweiterungsvorhaben zu durchbrechen
Die Niederlande wurden von Brüssel für die unzureichende Luftqualität gerügt. KEMA hat ein Modell entwickelt, das detailliert die lokalen Effekte von Verkehrs- und Raumordungsplänen auf die Feinstaub- und Stickstoffdioxid-Konzentrationen durchrechnen kann. Aus den Projekten, die inzwischen mit Hilfe dieses s.g. STACKS-Modell ausgeführt wurden, lag die lokale Luftbelastung oft niedriger als angenommen. Das bietet neue Perspektiven für Erweiterungspläne. Die Europäische Kommission hat für die EU-Mitgliedsstaaten höchstzulässige Feinstaub- und Stickstoffdioxid-Konzentrationen festgelegt. Die Feinstaub-Richtlinie gilt seit Anfang dieses Jahres, die Richtlinie für Stickstoffdioxid wird 2010 in Kraft treten. Schon zum heutigen Zeitpunkt werden diese Normen in den Niederlanden nicht erfüllt. Dadurch wurden bereits viele Vorhaben für neue Gewerbegelände und Verkehrswege auf gerichtliche Anordnung stillgelegt. Die Situation ist so dringlich, dass am 26. September eine Nationale Debatte veranstaltet werden soll, auf die am 13. Oktober ein technischer Studientag folgt. Realistische Modelle In einigen Fällen verschärft sich die Problematik durch das üblicherweise verwendete Screening-Modell. Dieses Quick-Scan Modell, das vor allem zur fehlerlosen Aufdeckung von umweltbelastende ,Hotspots’ entwickelt wurde, zeichnet jedoch ein konservatives und dadurch oft zu pessimistisches Bild der Realität. KEMA hat ein Rechenmodell entwickelt, das ein realistischeres und detailliertes Bild von der tatsächlichen Belastung bietet. In diesem Modell, das sich u.a. auf Daten aus dem landesweiten Messnetz des staatlichen Instituts für Sicherheit und Umwelthygiene (RIVM) stützt, wurden die neuesten Erkenntnisse zum Thema Luftqualität aufgenommen. Mit Hilfe dieses s.g. STACKS-Modells lässt sich genau durchrechnen, welche Auswirkungen Vorhaben wie z.B. neue Gewerbegelände oder Verkehrswege auf die Feinstaub- und Stickstoffdioxid-Emission haben werden. Beispielsweise hat KEMA im letzten Jahr berechnet, welchen Effekt eine Senkung des Tempo-Limits auf die Luftqualität haben würde. In Zusammenarbeit mit Ingenieurbüro Tauw und Verkehrsberatungsbüro Goudappel Coffeng hat KEMA bereits zahlreiche Berechnungen für Auftraggeber aus allen Verwaltungsebenen ausgeführt. Daraus geht hervor, dass der lokale Beitrag zur Luftqualität manchmal, wenn auch nicht immer, niedriger ausfällt als angenommen. Durch die Verwendung dieses Modells könnte das Moratorium für Raumordnungsprojekte weniger kategorisch zur Anwendung kommen. Während des Studientags wird ein KEMA-Experte ausführlicher auf diese Materie eingehen.
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